Der Sekundentest

Carpegen entwickelt ein Verfahren, das Infektionskrankheiten noch schneller erkennt

MÜNSTER. Wer zum Arzt geht, muss oft Tage auf die Diagnose warten, manchmal Wochen. Die Firma Carpegen will Zahnärzten mit einem neuen Verfahren die Untersuchungsergebnisse liefern, noch während der Patient auf dem Behandlungsstuhl sitzt.

Das Zauberwort heißt "Point-of-Care"-Testing, auf Deutsch: patientennahe Labordiagnostik. Dabei schickt der Arzt Proben nicht ins Labor, sondern untersucht sie direkt in seiner Praxis. Die Ergebnisse liegen sofort vor. Der Arzt kann direkt mit der Therapie beginnen. Das Unternehmen Carpegen an der Mendelstraße arbeitet an einem Verfahren, das alles noch etwas schneller machen soll, und nicht nur auf eine Anwendung beschränkt sein wird. Ein Testsystem, das Zahnärzten bei der Parodontitis-Diagnose hilft, hat Carpegen schon vor acht Jahren vorgestellt. Auf diesem Gebiet sind die Münsteraner nach eigenen Angaben Marktführer. Die neue Technik soll noch mehr können. "Die Technologie hinter der Point-of-Care-Diagnostik wird universell einsetzbar sein", sagt Carpegen-Geschäftsführerin Dr. Antje Rötger. Sie will das System so anpassen, dass es auch multiresistente Krankenhauskeime identifizieren kann, oder Durchfallerreger wie das Norovirus.

Das Bundesforschungsministerium hat seine Unterstützung zugesagt. Die Fördergelder für die nächsten vier Jahre sind gesichert. Und wenn es so weitergeht wie in den vergangenen zehn Jahren seit seiner Gründung, muss das Technologie-Unternehmen sich auch in den Jahren darauf keine Sorgen machen. Es hat nicht nur einen, sondern gleich mehrere Gründerwettbewerbe gewonnen. Vor sechs Jahren erhielt Carpegen den Unternehmerpreis des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft. Auch die Forschungsarbeiten, die an der Mendelstraße entstanden sind, haben mehrfach Preise gewonnen. Zuletzt im Jahr 2006 die Silberurkunde beim Innovationspreis der deutschen Wirtschaft. Der Firmenname bedeutet auf Deutsch übrigens in etwa "Nutze das Gen". Bislang ist das sehr gut gelungen.

Münstersche Zeitung 09.09.2011