10. Juni 2010

Ein Quantensprung in der Diagnostik

Das Biotechnologie-Unternehmen Carpegen aus Münster hat zusammen mit dem Systemtechnikanbieter Systec ein automatisiertes Diagnosegerät entwickelt, mit dem die hochsensitive molekularbiologische Diagnostik von Infektionserregern erstmalig in der Arztpraxis möglich wird.

Ärzte werden so zukünftig direkt während des Patientenbesuchs (= "at the point of care") Proben analysieren und auf Basis der direkt verfügbaren Ergebnisse sofort Therapiemaßnahmen einleiten können. Das System kann vielfältig eingesetzt werden, z.B. für die Diagnostik von hochaggressiven Krankenhauskeimen, von Atemwegs- und Magen-Darm-Infektionen, aber auch in der Zahnarztpraxis zur Diagnostik von oralen Infektionserregern.

Der Prototyp des Point-of-Care-Systems wurde von Carpegen und Systec erstmalig auf dem internationalen Kongress Nanobio-Europe vom 15. bis 17. Juni in Münster präsentiert.

Die durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Innovation war nur möglich durch die Kombination ganz unterschiedlicher Fachdisziplinen: Experten der Firma Carpegen lieferten das notwendige Know-how für die automatisierte Probenaufbereitung und die molekularbiologische Analyse, die auf der Real-Time-PCR-Technologie beruht. Die Systemintegration wurde durch die Systec-Mitarbeiter vorangetrieben. Als Kernstück der Innovation setzten Carpegen und Systec die biotechnologischen Vorgänge in ein sogenanntes "Disposable" um, einen neuartigen fluidischen Chip, der alle notwendigen Reagenzien enthält und für die Analyse in das Diagnosegerät eingesetzt wird.

Die entwickelte Technologieplattform zeichnet sich durch Schnelligkeit, Sensitivität, einfache Bedienung und nicht zuletzt durch ihre vielseitige Verwendbarkeit aus: Nicht nur in der Infektionsmedizin wird das System künftig eingesetzt werden. Weitere Nutzungsmöglichkeiten betreffen die Tumordiagnostik und Humangenetik, die Analyse von Lebensmittel- oder Umweltproben, sowie die Soforterkennung von Biowaffen.